Jacques-Henri Lartigue – der Dandy und Ästhet unter den Fotografen

Jacques Henri Lartigue: "Florette, Monte Carlo Beach", 1933

Jacques Henri Lartigue: “Florette”, Monte Carlo Beach, 1933

Er galt als Dandy unter den Photographen: Jacques Henri Lartigue (1894-1986). Der Spross einer reichen Pariser Familie hatte es nicht nötig, Geld zu verdienen. Stattdessen konnte er den Sommer an der Cote d’Azur verbringen – und völlig unbelastet Photos schiessen. Er dokumentierte die frivole Entspanntheit der Schönen und Reichen ohne Karrieredruck. So entstanden unvergleichliche Aufnahmen, Dokumente von Müßiggang und Melancholie. Lartigues großes Thema war das Glück der Wenigen. Mit einem feinen Gespür für Hedonismus – und im selben Atemzug auch für Komik, Spaß und Pointen – lotste er sein Kameraauge durch die Welt der “Happy Few” und präsentiert sie uns als ewiges Fest, das dennoch fern jeder Oberflächlichkeit ist: Das Glück, so exaltiert es sich auch zeigen mag, scheint immer ein echtes zu sein.

Jacques-Henri Lartigue: "Renée", 1930

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Jacques-Henri Lartigue: “Renée”, 1930

Jacques-Henri Lartigue wuchs förmlich mit der Fotokamera auf. Mit 6 Jahren schoß er mit der Kamera seines Vaters sein erstes Bild und legte die Kamera fortan nie mehr zur Seite. Er erkundete fotografisch seine Umwelt, die Kamera wurde ihm zum ständigen Begleiter. Nach künstlerischer Ausbildung in der Pariser Académie Julian sollte eigentlich die Malerei seine Hauptbeschäftigung werden, doch nebenher dokumentierte er stets mit der Kamera sein materiell sorgenfreies Leben, in dessen Mittelpunkt schöne Frauen und schnelle Autos standen. Lartigues Bildwelt bannt fotografisch jedoch weniger glamouröse Oberflächenreize, als vielmehr die flüchtige Schönheit der Dinge.

Jacques-Henri Lartigue

In seinem zunächst völlig privat gemeinten fotografischen Werk hat er mediterrane Landschaften ebenso wie das mondäne Leben der „Happy few“ festgehalten. Obwohl Lartigue gelegentlich seine Bilder an die Presse verkaufte und auch in der Galerie d’Orsay, Paris, neben Brassaï, Mann Ray und Doisneau ausgestellt wurde, schaffte er es damals nie wirklich, als Fotograf anerkannt zu werden. Darauf musste er warten, bis er 69 Jahre alt war. Erst durch eine umfangreiche Ausstellung im MoMA in New York im Jahre 1963 wurde Lartigue dann einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

Jacques-Henri Lartigue:" Rouzat, Dé Dé, Lartigue's cousin, diving with water wing", 1911Jacques-Henri Lartigue: ” Rouzat, Dé Dé, Lartigue’s cousin, diving with water wing”, 1911

An der Côte d’Azur schloss Lartigue Freundschaften mit Schriftstellern wie Colette und Jean Cocteau, mit Regisseuren wie Federico Fellini und François Truffaut, mit Malern wie Kees van Dongen. Auch mit Pablo Picasso war Lartigue privat befreundet. Und mehrfach ließ dieser sich von ihm fotografieren.

Jacques-Henri Lartigue:"Renée Perle", 1930Jacques-Henri Lartigue:“Renée Perle”, 1930

Jacques Henri Lartigue: "Hendaye", 1934Jacques Henri Lartigue: “Hendaye”, 1934

J. H. Lartigue:" Fuborg", 1929J. H. Lartigue:” Fuborg”, 1929

Jacques-Henri Lartigue

Jacques Henri Lartigue: "Florette", Paris, January 1944Jacques Henri Lartigue: “Florette”, Paris, January 1944

Jacques-Henri Lartigue: "Pablo Picasso", 1955Jacqes-Henri Lartigue: “Pablo Picasso”, 1955

Jacques-Henri Lartigue: "Autorennen", 1912Jacques-Henri Lartigue: Grand Prix de l’ACF” 1912. Abzug von 1960, Format: 24:36cm, Barytpapier, signiert auf der Rückseite.  Preis auf Anfrage. Anfragen an Art Galerie Nolden/H – Paris – klicken Sie hier! Weitere signierte Fotoabzüge von Jacques-Henri Lartigue auf Anfrage an die Galerie.

Lartigues Fotografien zeichnen sich, Dank seiner Unbekümmertheit als Amateurfotograf, durch große Lebendigkeit aus. Er zählt als einer der Ersten, der Momentaufnahmen realisierte. Seine große Faszination galt Autorennen wie dem Grand Prix de l’Automobile Club de France (ACF). Hier gelang Lartigue im Jahr 1912 ein Foto, das inzwischen als Metapher für das Tempo des technischen Zeitalters steht. Ganz offensichtlich zog Lartige die Kamera mit als der Rennwagen vorbei schoss. Die elliptische Verformung der Hinterräder wird durch den horizontalen Schlitzverschluss erklärt. Er schenkte dem Bild lange Zeit keine Beachtung, bis er 1963 den damaligen Direktor des Museum of Modern Art, John Szarkowski, kennenlernte. Bei einer spontanen Ausstellung wurde das Foto zum ersten Mal veröffentlicht. Außerdem erschien es im Life-Magazin im Rahmen eines Portfolios. Da in der gleichen Ausgabe auch über die Ermordung John F. Kennedys berichtet wurde, fand das Heft reißenden Absatz und verhalf Lartigue so zu grosser Berühmtheit. Er wurde vom damaligen französischen Staatspräsidenten Valerie Giscard d’Estaing ausgewählt, die offziellen Fotos des Staatsoberhauptes aufzunehmen. Heute gehören alle Fotoaufnahmen von Jacques-Henri Lartigue dem französischen Staat, dem Lartigue 1979 im Rahmen einer Donation sein fotografisches Werk vermachte. Zu finden in der: Donation Jacques Henri Lartigue, Ministère de la Culture, 11, rue du Séminaire de Conflans, 94220 Charenton-Le-Pont.

Jacques-Henri Lartigue: "Renée Perle", 1930-1932Jacques-Henri Lartigue: “Renée Perle”, 1930-1932
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Wichtige Bücher zu Jacques-Henri Lartigue: Jacques Henri Lartigue Foto – Tagebuch unseres Jahrhunderts von Richard Avedon von C. J. Bucher (Gebundene Ausgabe – 1. Januar 1970), sowie: Le Passé Composé. Les 6×13 de Jacques-Henri Lartigue. von FRIZOT (Michel) (Bibliothekseinband – 1. Januar 1984). Klicken Sie in den jeweiligen Buchtitel!

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Signierte Fotoabzüge von Jacques-Henri Lartigue auf Anfrage an die Galerie: Anfragen an Art Galerie Nolden/H – Paris – klicken Sie hier!

Jacques Henri Lartigue: "Renee - Paris to Aix-les-Bains", 1931, 16"x12". Gelatin Silver Print, Signiert
Jacques Henri Lartigue: “Renee – Paris to Aix-les-Bains”, 1931, 16″x12″. Gelatin Silver Print, signiert
Jacques Henri Lartigue: "Charly, Rico et Sim, Rouzat", Septembre 1913
Jacques Henri Lartigue: “Charly, Rico et Sim, Rouzat”, Septembre 1913
JACQUES- HENRI LARTIGUE: "Renée", 1931, CARTE POSTAL PUBLIÉE PAR L'ASSOCIATION DES AMIS DE JACQUES- HENRI LARTIGUE, PARIS, 1986
JACQUES- HENRI LARTIGUE: “Renée”, 1931, CARTE POSTAL PUBLIÉE PAR L’ASSOCIATION DES AMIS DE JACQUES- HENRI LARTIGUE, PARIS

Jacques Henri Lartigue: " Roland Toutain", Cannes, 1947
Jacques Henri Lartigue: ” Roland Toutain”, Cannes, 1947

Jacques-Henri Lartigue: "Susy", Vernon, 1926
Jacques-Henri Lartigue: “Susy”, Vernon, 1926

Jacques-Henri Lartigue: "Renée Perle", ca. 1932
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Jacques-Henri Lartigue: “Renée Perle”, ca. 1932

Renée Perle, war eine rümänische Jüdin, die es nach Paris zog. Sie arbeitete dort als Modell bevor sie ca. 1929 Jacques Henri Lartigue kennenlernte. Renée wurde seine Muse und Freundin und lebte mit ihm zusammen. Ihre spektakuläre Schönheit und Eleganz inspirierten Lartigue zu einigen seiner besten Fotos.

Renée Perle hatte Stil und Geschmack und gilt als eine zeitlose Schönheit, die heutzutage noch Wirkung auf Künstler und Modeschöpfer hat. Der Modeschöpfer John Galliano bezog nach eigenen Angaben seine Inspiration für seine Herbstkollektion 2008 von den Fotos Jacques Henri Lartigue’s Muse — Renée Perle — die er eine “kittenish Parisian coquette” nannte.

Lartigue selber erkannte sofort das Besondere ihrer Schönheit:  “I see a whole of magic. And we see enduring perfection. She is beautiful, the small mouth with the full painted lips! The ebony black eyes. From under her fur coat
comes a warmth of perfume. The head looks petite on her long neck.”
Das Paar verbrachte zwei Jahre zusammen an der Cote d’Azur in Cannes und in Juan les Pins aber auch in Biarritz an der Atlantikküste. Lartigue’s Kamera war in dieser Zeit stets aufnahmebereit.

Renée selbst versuchte sich als Malerin, z.B. mit vielen Selbstportraits (siehe Video unten). Darüber hinaus ist leider wenig über sie bekannt. Sie starb 1977 im Süden von Frankreich.

Jacques-Henri Lartigue: "Renée Perle", ca. 1930-1932_________________________________________________________

Jacques-Henri Lartigue: “Renée Perle”, ca. 1930-1932

Lartigue’s Diary: Paris, 10 March 1930
“Tall, slim, a long neck, a shining lock of hair caressing her mouth.
I see the reflection of Renee’s beauty in women’s eyes and men’s glances…
Beside her, other women look like farm girls.”
Jacques-Henri Lartigue: “Renée Perle”, ca. 1930-1932
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Jacques-Henri Lartigue: “Renée Perle”, ca. 1930-1932
Jacques Henri Lartigue: "Renée Perle", c.1930
Jacques Henri Lartigue: “Renée Perle”, c.1930
Lartigue’s diary: Juan-les-Pins, 20 June 1930
“The call of swallows, the scent of warm pines. Our room perched at the top of the Hotel des Pins Parasols.
In the morning I go alone into the garden to paint…
She is upstairs, waiting for me in her room. She does her hair, dresses, darkens her eyelashes, eats a sweet…does nothing?…It matters little. All I know is that she is there, waiting for me and I shall go find her at the first summons of my love!
She! Who is she? Renee. Above all she is a woman. A woman!
Perhaps the first I have encountered (I am bowled over like an explorer in virgin forests who discovers, still in existence, a representative of the species diplodocus…)”

Jacques-Henri Lartigue: “Renée Perle”, 1930-1932
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Jacques-Henri Lartigue: “Renée Perle”, 1930-1932
Jacques-Henri Lartigue: “Renée Perle”, 1930-1932
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Jacques-Henri Lartigue: “Renée Perle”, 1930-1932
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Klicken Sie hier in das Video: Renée Perle und ihr Zeit – gesehen von Jacques-Henri Lartigue



Jacques-Henri Lartigue: "Florette", 1944
Jacques-Henri Lartigue: “Florette”, 1944
Jacques Henri Lartigue: "La Cote d'Azur", Buchcover zur Ausstellung, Verlag Flammarion
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Jacques Henri Lartigue: “La Cote d’Azur”, Buchcover mit Foto:” My friend Chou Valton before a mirror”, 1932, zur Ausstellung  im Atelier Grognard à Rueil Malmaison, Paris, Januar 2006 – Verlag Flammarion

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Klicken Sie hier in das Video der BBC von 1983 über Jacques-Henri Lartigue: